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KOHLSUPPENDIÄT
Sport
ist Mord, findet Meike Winnemuth, Essen strengt jedenfalls
nicht an, wenig essen also noch weniger. Sie testet die neueste
superschädliche Crash-Diät: die Kohlsuppenkur
1.
TAG
69,6 Kilo. Bin ungefähr fünf Nanosekunden davon entfernt,
meine persönliche Schallmauer von 70 Kilo (bei 1,83 Meter)
zu durchbrechen. Nicht gut. Gar nicht gut. Verzweifelte Situationen
erfordern drastische Ma8nahmen, und drastischer als die Kohlsuppendiät
geht's nimmer. Die kursiert schon seit ein paar Monaten unter
dem Tarnnamen "Magic Soup" im Internet und hat es sogar in
die amerikanische "Vogue" geschafft als Crash-Diät du jour,
Geheimwaffe gegen Fett, Lieblingsdiät aller Models blablabla.
Sie besteht im Wesentlichen aus Kohlsuppe morgens, Kohlsuppe
mittags und Kohlsuppe abends plus ein paar von Tag zu Tag
wechselnden zusätzlich erlaubten Lebensmitteln. Mit anderen
Worten: das Grauen pur. Entspricht also völlig meinem masochistischen
Naturell. Und wenn's schee macht ... Die Lust auf Essen endet
schon beim Kochen: ein Kohlkopf, 6 Zwiebeln, 6 Möhren, 2 Paprikaschoten,
Stangensellerie und eine Dose Tomaten, Gewürze nach Belieben,
Wasser drauf, Brühwürfel rein, eine Stunde köcheln lassen
- und das alles um sieben Uhr morgens. Davon darf man so viel
essen, wie man will. Problem ist nur: Wer will schon ? Ausserdem
sind jeden Tag bestimmte zusätzliche Lebensmittel erlaubt.
Heute Obst, alles ausser Bananen. Easy: Mango zum Frühstück,
Orangensaft zum Mittag. Gegen 15 Uhr zwinge ich mich endlich
dazu, die Thermoskanne mit der Suppe zu öffnen. Eine Kollegin,
die gerade in mein Büro kommen wollte, dreht auf dem Absatz
um. "Iih, wie riecht das denn hier?" Hm. Das könnte anstrengend
werden. Die Suppe schmeckt eigentlich okay. Wie Wasser mit
Gemüse halt schmeckt. Mit etwas Parmesan (verboten!), einem
Schuss Olivenöl (undenkbar!) und einer doppelten Portion Selbstbetrug
könnte man sich einreden, es wäre eine Minestrone. Trotzdem
habe ich schlechte Laune. Abends zwei Birnen und noch mehr
Suppe. Gehe um 10 Uhr ins Bett, nur raus aus dieser Welt.
Draussen klingelt der Eiswagen. Ich ziehe mir die Decke über
die Ohren.

2.
TAG
70g. Ein Pfund zugenommen! Zum Kotzen. Ich fühle mich wackelig
auf den Beinen und gähne alle Leute an. Heute ist zusätzlich
grünes Gemüse erlaubt, plus eine Kartoffel mit Butter. Werde
die grösste Kartoffel auftreiben, die die Stadt zu bieten hat.
Mittags Suppe. Vor meinem Zimmer versammelt sich eine Protestdelegation
von Kollegen, alle mit zugehaltener Nase. Aus Rache esse ich
den ganzen Tag grüne Erbsen frisch aus der Schale. Zusammen
mit dem Kohl dürfte das einen schönen Effekt ergeben. Abends
grüner Spargel gedämpft, mit Knoblauch und Balsamico-Essig.
Gar nicht übel, rede ich mir ein.
3.
TAG
68,8. Fast drei Pfund weniger als gestern! Ha ha HA ha! Heute
ist Obst- und Gemüse-Tag. Ananas zum Frühstück Später leichte
Hysterie im Hirn: Ich habe das irritierende Bedürfnis, über
den Bürogang zu rennen, bin aber nach zehn Metern ausser Atem.
Mittags erstmals wieder unter Leuten. Man legt mir nahe, die
nächsten Tage lieber für mich zu bleiben: Die Suppe kommt
mir aus allen Poren, angeblich rieche ich (ich zitiere widerwillig)
wie ein Furz auf zwei Beinen. Antje dagegen läuft mit rosigen
Backen elastisch über den Gang. Nachmittags kommt ihr quadratischer
Trainer zum Turnen, alle Mädchen der Redaktion stehen kichernd
um ihn herum. Die Welt ist ungerecht: Antje hat den Neid,
ich das Mitleid, sie den Trainer, ich die Suppe. Abends koche
ich mir einen neuen Fünf-Liter- Topf. Versuche, mit Koriander,
Zitronengras und Ingwer was Asiatisches draus zu machen. Sinnlos:
Kohl bleibt Kohl bleibt Kohl.
4.
TAG
68,8. Nicht ein Gramm weniger als gestern. Zu schwach, um
auch nur ans Essen zu denken. Stiere nur blöd den Computer
an. Mittags komme ich drauf: Ich esse einfach zu wenig. Die
Suppe habe ich inzwischen restlos über (obwohl sie wärmt und
in der Tat ziemlich satt macht), also esse ich höchstens zwei
oder drei Teller davon am Tag. Und das zusätzlich erlaubte
Essen - heute drei Bananen und Magermilch - habe ich schlicht
verschusselt zu besorgen. Nachmittags um zwei dann die erste
Banane. Mir wird fast übel von der Süsse. Dafür dann mal ein
anderer Kommentar von den Kollegen: Iiiih, du trinkst Milch?!
Ja, iiih, tue ich. Habe ich zuletzt vor 25 Jahren gemacht.
Jetzt weiss ich auch, warum ich es all die Jahre gelassen habe.
5.
TAG
68,2. Sieh da, es geht zur Abwechslung mal wieder bergab.
Wenn ich eine Aktie wäre, würde man meinen Kurs volatil nennen.
Allmählich gewöhne ich mich daran, jeden Morgen mit meinem
Henkelmann voll Suppe zur Arbeit zu gehen. Hat was von arbeitender
Bevölkerung, circa 1923. Jedenfalls bin ich endlich etwas
stabiler auf den Beinen. Fast gut gelaunt. Das Hirn funktioniert
wieder. Heute ist Huhn oder Fisch plus sechs Tomaten erlaubt.
Ich esse ein gigantisches gegrilltes Tunfischsteak. Danach
brabbel' ich alle Leute voll: Durch das ungewohnte Eiweiss
bin ich wie auf Speed.
6.
TAG
67,4. D-Day: Tante Hildegards goldene Hochzeit. Und zwar in
einem Landstrich, der die Schlachtplatte erfunden hat. Und
den Schmandkuchen. Und das kalte Buffet gleich mit. Kein Problem:
Steak und Salat sind erlaubt, die Suppe habe ich allerdings
aus Rücksicht auf das Jubelpaar zu Hause gelassen. Alkohol
ist allerstrengstens verboten, und zum Erstaunen der gesamten
Verwandtschaft halte ich mich sogar daran. War trotzdem lustig.
Für die anderen.
7.
TAG
Gucke in lauter verkaterte Gesichter und fühle mich zum ersten
Mal prächtig. Heute ist der letzte Tag der Originaldiät. Suppe,
brauner Reis und Gemüse - es kommt mir fast zu viel vor.
8.-10.
TAG
Eigentlich müsste ich jetzt den 7-Tage-Zyklus wieder von vorn
beginnen, aber die letzten Tage esse ich weiter die Suppe
und sonst das, worauf ich Lust habe: hauptsächlich Obst und
Reis. Inzwischen ist mir auch klar, wie diese Diät funktioniert:
Ballaststoffe ohne Ende für die Sättigung und praktisch kein
Fett. Kohl ist kaliumreich und entwässert, Banane und Milch
auch, Reis und Eiweiss erst recht. Dass ich jetzt wieder in
meine Testjeans passe, die seit Jahren zusammengeknüllt ganz
hinten, ganz unten im Kleiderschrank liegt, hat wahrscheinlich
hauptsächlich mit Wasserverlust zu tun. Mein Endergebnis:
66,2. Dreieinhalb Kilo weniger. Nee, besser: sieben Pfund
in zehn Tagen. Ein Schwachsinn natürlich. Trotzdem kriege
ich irgendwie das breite Grinsen nicht aus meinem Gesicht.
Aber noch mal so was? Im Leben nicht.
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PERSONAL
TRAINER
Hungern
macht schlechte Laune, meint Antje Liebsch. Sie will lieber
Kilometer statt Kalorien zählen und buchte einen Personal
Trainer für die Fettverbrennung mit Endorphingarantie

1.
TAG
Mein Bäcker um die Ecke macht die leckersten Schokocroissants.
Was kann ich dafür, dass ich nicht an ihm vorbeigehen kann?
Dass ich ein paar Kilo weniger vertragen kann, meinte letztens
selbst meine Mutter. Gut, der Winterspeck muss weg. Nur wie?
Diäten scheitern an meinem Bäcker. Bleibt eigentlich nur Sport.
Ich führe ein erstes Telefonat mit Dirk, meinem zukünftigen
Trainer. Wir werden an den Problemzonen arbeiten, sagt er.
Dafür muss ich täglich eine Stunde walken (Fett ist wie Diesel,
verbrennt bei geringer Belastung am besten) und eine weitere
Stunde meine Muskeln straffen. Was? Zwei Stunden an jedem
Tag? Täglich zwei Stunden? Niemals. Ich brauche Turnschuhe.
Im Sportgeschäft höre ich mir fachmännische Monologe an, verstehe
nichts und nehme die teuersten. Abends stehen Dirk und Annette
vor meiner Tür. Wollen die jetzt etwa beide mit mir walken?
Er ist der Muskelspezialist, sie die Laufexpertin, erklären
sie. Ich werde ausgemessen, gewogen, bewegt und berechnet.
Einige Muskeln sind verkürzt, der Blutdruck ist zu niedrig.
Der Body Mass Index ist normal, nicht optimal. Fettanteil
bei 23,1 Prozent (normal bis gut). Ich soll gesund und ausreichend
essen (2800 Kalorien!), viel schlafen. Kein Alkohol. Das Training
fängt erst morgen an. Vor der Arbeit wird Annette mit mir
walken, Dirk kommt zum Muskeltraining am Nachmittag ins Büro.
Liege schlapp auf dem Sofa und trinke noch ein Glas Wein.
Nur so, zur Beruhigung.
2.
TAG
6.30 Uhr. Schäle mich schlecht gelaunt aus dem Bett. Annette
holt mich ab zum Walken um die Alster. Ich gucke grimmig und
gähne demonstrativ. Nützt nichts. Ein Pulsmesser wird mir
um die Brust geschnallt, der meinen Herzschlag auf ihrer Uhr
anzeigt. Ich walke an einer elektronischen Leine. Wie ein
Dackel neben dem Terrier. Jogger rennen geschmeidig an uns
vorbei, werfen Annette interessierte und mir mitleidige Blicke
zu. Ich jammere, schwitze, der innere Schweinehund lärmt.
Komme mit rotem Kopf ans Ziel. 59 Minuten auf 7,5 Kilometern.
Gut, dass ich vorher nicht wusste, wie weit es war. Habe plötzlich
Bärenhunger. Schlinge auf dem Weg ins Büro zwei Schokocroissants
herunter. Nachmittags ruft Dirk an. Weil die Sonne so schön
scheint, will er mit mir in den Park. Ich liege auf roter
Matte unter grünen Bäumen und arbeite an straffen Beinen und
knackigem Po. Dirk fragt, was ich gegessen habe und guckt
streng, als ich die Wahrheit sage. Schuldbewusst fülle ich
abends meinen Kühlschrank mit Quark, Haferflocken, Bananen
und Vollkornbrot.
3.
TAG
Ich entdecke riesige Blasen an meinen Füssen und klebe Berge
von Pflaster drauf. Annette hat meinen Herzschlag auf ihrer
Uhr. Ich muss langsamer laufen, meint sie. Mein Puls ist zu
hoch. Fühle mich wie eine Kranke mit Pflegerin. Annette ist
stolz auf mich, weil ich trotz allem 30 Sekunden schneller
war als gestern. Dirk kommt nachmittags ins Büro. Frauen stecken
wie auf Kommando ihre Köpfe aus ihren Türen raus. Fehlt nur
noch die Coca-Cola-Kiste auf seiner Schulter. Alle wollen
beim Training zuschauen. Ich schiebe Dirk in ein leer stehendes
Zimmer und schliesse schnell die Tür. Ich drängle, will keine
Zeit verlieren, denn heute sind meine Bauchmuskeln dran. Trotz
Ehrgeiz bin ich schnell schlapp. Es braucht alles seine Zeit,
meint Dirk. Er packt seine Sachen und geht mit federndem Schritt
zum nächsten Kunden. Die Kolleginnen wollen wissen, wann ich
morgen Training habe. Woher nur das plötzliche Interesse?
4.
TAG
Ich habe meine schlabbrigen T-Shirts satt und krame nach einem
engeren Teil. Kurz vor dem Training ziehe ich mich in der
Bürotoilette um und komme mir ziemlich lächerlich vor, als
ich im rosa Top den Flur entlanglaufe. Heute möchte ich wieder
Bauchübungen machen. Dirk bremst meinen Enthusiasmus (Muskeln
brauchen 48 Stunden zur Regeneration, erklärt er) und schlägt
die Straffung der Armmuskeln vor. Schlabbern meine Oberarme
so? Leicht beleidigt füge ich mich. Seine gute Laune bringt
mich auf die Palme. Kämpfe wütend mit den Therabändern und
sitze eine Stunde später mit schweren Armen am Schreibtisch.
7.
TAG
Der Regen klatscht an die Scheiben. Mir ist so wohlig unter
meiner Decke. Es klingelt. Gut, ich stehe schon auf. Schleiche
um die Alster, schwitze unter meiner Regenjacke, die Füsse
kleben am Boden, die Beine werden schwerer mit jedem Schritt.
Annette gibt ihr Bestes. Vergebens. Was ist nur mit mir los?
Dirk zeigt Verständnis. Wir machen heute die softe Nummer,
verspricht er. Und mein Bauch sei schon viel straffer. Drehe
mich zu Hause vorm Spiegel. Es stimmt.
8.
TAG
Ich ertappe mich beim Singen unter der Dusche. Was ist los?
Das tägliche Sportprogramm scheint zu wirken. Ich schlafe
gut, bin nicht erst mittags wach, esse Müsli, als ob es Schokolade
wäre, unter der Jeans zeichnen sich straffere Oberschenkel
ab. Am Abend gehe ich gut gelaunt zu einer Party. Nippe am
Mineralwasser und halte einen Vortrag über die Vorzüge eines
Personal Trainers, fettarmer Ernährung und koordinierten Muskelaufbaus.
Anwesende Frauen stochern genervt in ihrem Nudelsalat. Männer
senden bewundernde Blicke aus sicherer Distanz. Ich verlasse
die Ansammlung von Warmduschern. Muss sowieso früh ins Bett.
9.
TAG
Heute werde ich skaten lernen. Am Händchen mache ich die ersten
Schritte, will alleine laufen, wackle, eiere und falle doch
nicht. Weil ich so brav war, bekomme ich eine Massage. Frage
mich danach, ob Madonna vielleicht deshalb den Wirkungskreis
ihres Trainers aufs Bett ausdehnte. Treffe mich mit Freunden.
Grinse den ganzen Abend und verunsichere meine Mitmenschen
mit meiner Alles-ist-in-Butter-Laune.
10.
TAG
Ich fühle mich wie eine Sprinterin auf der letzten Etappe.
Zwinkere den anderen Joggern zu, fühle mich eingemeindet.
Am Ziel bin ich von mir selbst beeindruckt, als ich es in
57 Minuten schaffe. Zwei Minuten schneller als am ersten Tag!
Am Nachmittag nerve ich Dirk: Er soll mal messen. BMI und
so weiter. Zwei Kilo weniger. 2,7 Prozent weniger Fett. Selbst
er ist beeindruckt. Letztes Arm- und Rückentraining. Viel
zu schnell ist sie vorbei, unsere letzte Stunde. Ob ich weitermache,
will er wissen. Gibt's da Zweifel? Endorphin-Junkies brauchen
ihre Dosis. Vielleicht nicht täglich, aber regelmässig.
Kontakt:
Roggatz-Team, Mühlenkamp 23, 22303 Hamburg,
Tel. 0172/4513058, www.roggatz-team.de
Bundesverband Deutscher Personal Trainer, Tel. 0221/139 0940
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