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Team Work

Das Training von Peter Schmidt unter der Anleitung von Dirk Roggatz.

Hamburger Morgenpost 23.11.1999

Wenn der Boss buckeln muss

Peter Schmidt ist ein Unternehmer wie aus dem Drehbuch. Workaholic, sehr erfolgreich, immer in Eile, immer auf' dem Sprung. Seit 30 Jahren leitet der Hamburger ein Designstudio. Schmidt stylt zum Beispiel die öffentlichen Auftritte von Hugo Boss, er trimmt Banken zu Nobeladressen, sein Studio setzt Akzente in der Architektur, stellt aber auch bemerkenswerte Flacons für exklusive Marken her.

"Freizeit ist kostbar", sagt der 61-Jährige, "ich muss sorgsam damit umgehen. Ich will viel Spass haben, und das lasse ich mir auch gerne etwas kosten." Spass, das ist: ein edler Rotwein, ein Fünf-Sterne-Dinner, zweimal im Jahr der Ausstieg aus dem Job ins Refugium in Florida. Und Dirk, Peter Schmidts "personal coach". "Ich habe ihn vor rund fünf Jahren kennen gelernt und wusste gleich, dass ich so jemanden brauchte." Nach einer Herzgeschichte rieten die Ärzte Peter Schmidt, er solle dringend die alten Sport-Gewohnheiten ablegen. Er, der Gewinnertyp, hatte sich auf dem Squashcourt und dem Fussballplatz bis zur Erschöpfung mit den Gegnern herumgeschlagen. "Ich wollte der Bessere sein, egal, ob ich mich überforderte oder nicht." Gerade Erfolgsmenschen wie der Unternehmer Schmidt brauchen Trainer, die ihnen den Mittelweg zeigen.

"Er denkt sich die optimalen Programme für mich aus. Manchmal steige ich aus dem Flieger, habe nach einem langen Tag überhaupt keinen Bock mehr auf Bewegung. Aber dann zwingt er mich zum Training - der Start ist mühsam, und zum Schluss fühle ich mich wie neu."

Unter Dirk Roggatz Kommando trabt Schmidt durch Planten un Blomen ("Allein würde mir das nie in den Sinn kommen."). Für den "personal coach" buckelt er - wenn der das so will - an den piekfeinen Gewichten in seinem schnieken Privatstudio. Am liebsten aber "turnt" er. Da mutiert dann der Boss zum "Pelikan" oder zum "Adler". Oder er jagt wie ein Kind durchs Haus und tobt sich den Stress aus dem Leib. Erst das "personal training", sagt er, habe ihn wieder in die Lage versetzt, eine kindliche Freude an der Bewegung zu geniessen. Das ist dann Spass pur. Man gönnt sich ja sonst nichts.

"Eine ganz individuelle Geschichte"

Dirk Roggatz, sagen seine Kunden, kann einen aus der düstersten Stimmung reissen. Der Unternehmer Schmidt beispielsweise läst sich ab und zu vom "personal coach" nach einer Geschäftsreise am Flughafen abholen. "Da steht er dann und sieht aus wie ein grosser Junge. Man fährt in die Stadt, und er lässt einem mit seiner guten Laune überhaupt keine Chance. Man muss sich von diesem Optimismus anstecken lassen.

"Die dynamische Ausstrahlung ist das eine. Andere Voraussetzung für den Erfolg eines Privattrainers: Er muss sich im Umgang mit dem menschlichen Körper auskennen. Zu wissen, wie ordentliche Liegestütze funktionieren oder wie man einen Waschbrettbauch modelliert, reicht nicht mehr. Roggatz beschäftigt sich seit 14 Jahren intensiv mit Fitness". Er begann in Rostock als Judoka, trainierte später Kampfsportler, arbeitete als Tauchlehrer, lernte das Handwerk des Sporttherapeuten, belegte alle möglichen Fortbildungskurse ("Nur manche Geschichten - Aerobic zum Beispiel - sind nicht mein Ding.").

Heute betreut der 31-Jährige zusammen mit fünf Trainern und einer Ernährungswissenschaftlerin rund 90 Kunden (die pro Stunde zwischen 130 und 190 Mark zahlen). 70 Prozent davon sind Männer, ein paar Ehepaare trainieren gemeinsam mit einem Coach. Roggatz: "Das ist oft gut für die Leistung. Da kann man den einen mit den Erfolgen des Partners motivieren." In der Konstellation Roggatz / Schmidt ist ein Dritter überflüssig.

"Das ist eine ganz individuelle Geschichte. Manchmal braucht er den Antreiber. Manchmal muss ich ihn aber auch diplomatisch bremsen. Ich würde mit ihm nie an die Grenze gehen, wenn er Stress hat. Dann ist eine lange Massage besser als jedes Work-out", weiss der "personal coach".


Power: Der Pelikan
Eine Übung für den mittleren Rückenbereich: Sie stellen sich mit dem Rücken an die Wand, von der die Fersen eine Fusslänge entfernt sind. Nun den ganzen straff gespannten Körper leicht von der Wand wegbewegen. Zum Abschluss der Übung liegen nur noch die Ellenbogen an.

Aufschwung: Der Adler
Sie liegen auf dem Bauch. Das Becken ist entlastet, die Hände (Finger sind gespreizt) berühren sich vor dem Kopf'. Nun führen Sie die Arme langsam im Halbkreis nach hinten und anschliessend wieder zusammen. Zwölfmal wiederholen.

Wenn Dirk Ernst macht
Dirk Roggatz geht höchstens zweimal in der Woche privat an seine Grenze. Eineinhalb Stunden lang macht er sich völlig "platt". Zuerst wird zehn Minuten aufgewärmt, dann eine gute Stunde gepowert, dann sorgfältig gedehnt. "Nach einer so harten Einheit sollte jeder zwei Tage regenerieren."