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Bei Anruf Sport

Immer öfter halten sich Manager, Vorstandsmitglieder oder Unternehmer mit einem Personal Fitness Trainer fit für die Arbeit.

Die Woche 10.03.2000

Er ist Turnlehrer, Psychologe und guter Freund in einem: Ein PERSONAL TRAINER pflegt Körper und Seele seiner Kunden

Die Geschichte beginnt mit einer sportlichen Verbrüderung. Als Dirk Roggatz, Sporttherapeut, Tauchlehrer, Judo-Trainer und Fallschirmjäger, vor zehn Jahren in Hamburg ein Fitnessstudio suchte, ging er nicht in einen modischen Wellness-Tempel mit Disco-Musik, Palmenkübeln und einer breiten Palette an Bionaden und Vitamin-Cocktails. Er entschied sich für die Sportschule Reiner Preuss, das älteste Fitnesscenter der Stadt, wo nicht geflirtet, sondern noch richtig trainiert wird. Doch ganz ohne Kontaktaufnahme geht es auch hier nicht. "Zu zweit macht es mehr Spass", sagt Roggatz: Haltungsfehler würden schneller korrigiert, Motivationslöcher gestopft. Also tippte er einem blonden Mittvierziger auf die Schulter, der ebenfalls alleine Gewichte stemmte: "Ich kannte den Mann nicht. Es hätte ein Kosmetikvertreter sein können."

Diese Ahnungslosigkeit erwies sich als Glücksfall: Sein neuer Trainingspartner war der Modedesigner Wolfgang Joop. "Ich möchte, dass du mein Personal Trainer wirst", sagte er und bewies damit auch im Bereich der Leibesübungen ein feines Gespür für Zeitgeist und kommende Trends. Denn während heute die Fitnessclubs mit Schnupperpreisen locken und Magazine wie "Fit for Fun" oder "Men's Health" den Waschbrettbauch für jedermann versprechen, schwappt aus den USA jetzt eine Wellness-Mode für die Reichen und Nicht-mehr-ganz-so-Schönen nach Deutschland. Statt sich in Umkleidekabinen zu drängen und an der Hantelbank zu warten, mieten sie ihren ganz persönlichen Betreuer, wenn es um die Pflege und Stählung des eigenen Körpers geht.

Diese Vorzugsbehandlung ist ihnen einiges wert. Bei renommierten Kräften wie Roggatz (31) - der eine eigene Homepage (www.roggatz-team.de) und ein Team aus Sportlehrern, Ernährungsberatern und Aerobic-Trainern zu bieten hat - kostet eine Stunde zwischen 120 und 180 Mark (61 und 92 €). Dafür wird das Wohlbefinden frei Haus geliefert, egal ob im Sportstudio, Wohnzimmer oder Büro. Und der Trainer gibt dann viel mehr als schnöde Übungsanleitungen. "Meine Kunden brauchen das Gefühl, dass ich für sie sorge", beschreibt Roggatz die Rundumbehandlung für Leib und Seele. "Ich höre ihnen zu, massiere sie, und manchmal lass ich mir auch Börsentipps geben." Beim Training selbst ist er streng: "Wenn ich jemanden einmal in der Woche sehe, erwarte ich, dass der Hausaufgaben macht." Dazu sind keine grossen Maschinen nötig. Zwar kommt der Trainer mit einem Arsenal an Bällen, Blutdruckmanschetten und anderen Geräten, aber am liebsten arbeitet der Trainer mit einem Thera-Band, einem Widerstandsband aus Latex, von Insidern "das kleinste Fitness-Studio der Welt" genannt. Damit lässt sich jeder erdenkliche Muskel stärken, und der Trainer kann die Anstrengung für den Kunden dosieren und genau auf dessen Kraft abstimmen.

Die Kundenliste von Roggatz ist exklusiv: Vorstandsmitglieder, Medienmanager, Unternehmer. Häufig kommt das Training in den Chefetagen so gut an, dass auch die Untergebenen davon profitieren sollen. So bietet Roggatz auf Wunsch auch Gruppentraining im Büro. Seine Kollegin, die US-Amerikanerin Jennifer Wade, glaubt zu wissen, was es mit der neuen Lust auf einen gesunden Körper auf sich hat: Die Deutschen seien durch die Gesundheitsreform in dem Gefühl bestärkt worden, für ihr Wohlbefinden selbst sorgen zu müssen. Zudem müssten Manager heute einen energiegeladenen Körper vorweisen können: "Viele haben förmlich Angst vor ihren jüngeren Kollegen, die fitter aussehen."

Wade war eine der ersten Aerobic-Instruktorinnen diesseits des Atlantiks, ist Verfasserin mehrerer Fitness-Bücher und wurde im vergangenen Jahr Leiterin des Fachs Personal Training an einer Berufsschule. "Der Job ist nicht leicht: Von den Bewegungsabläufen bis zur Motivation muss man alles draufhaben." Für die Absolventen ihrer Ausbildung hat Wade daher eine Art Gütesiegel erfunden, sie nennt es QPT (Qualified Personal Trainer), denn sie betrachtet mit Sorge den Wildwuchs unter den Turnlehrern: Heute nennt sich ja jeder, der mal eine Fitnessklasse geleitet hat, Personal Trainer."

Auch Andreas Strack, Studienleiter an der BSA-Akademie, glaubt, dass die boomende Branche eine ordnende Hand braucht: "Seit zwei Jahren bieten wir die erste öffentlich-rechtliche Abschlussprüfung im Fitness-Bereich' den Fitness-Fachwirt." Für den Job Personal Trainer gibt es allerdings weder eine genaue Definition noch eine spezielle Ausbildung. So erwirbt der Sporttherapeut Roggatz ständig weitere Spezialkenntnisse, wie z.B. Trainingsmethoden für Arthrose-Gefährdete, Übergewichtige oder Herzkranke. Doch eigentlich begannen seine Lehrjahre schon als Jugendlicher auf der Judo-Matte in seiner Heimatstadt Rostock. Ich war nie ein Gürtelhai", erklärt er, Trophäen hätten ihn nicht interessiert. Stattdessen unterrichtete er schon mit 15 Jahren andere Kinder, und auch bei der NVA war er der Schleifer, der seine Kameraden in der Turnhalle drillte. Die wichtigsten Qualitäten aber hat er weder in der Ausbildung noch beim Militär erwerben können: eine positive Grundeinstellung und eine Portion Charme.

Denn nicht alle Kunden - die meisten sind Männer - nehmen aus freien Stücken seine Dienste in Anspruch: "Oft sind es die Frauen, die ihren Männern zu Weihnachten ein Probetraining bei mir schenken." Roggatz schildert einen typischen Dialog. Frau: Du musst was für dich tun. Du bist nicht mehr in Form." Mann: "Ja, wie soll ich denn aussehen?" Frau: "Am liebsten so wie Dirk." Tatsächlich strahlt der kompakte Trainer eine Frische und Gesundheit aus, die die meisten Büroarbeiter irgendwo auf der Karriereleiter zurückgelassen haben: ein Kraftpaket, das es versteht, andere mitzureissen. Ein Kunde beschreibt den Trainingseffekt: "Der Mann ist so positiv - ich habe schon gute Laune, bevor wir überhaupt angefangen haben. "